Kleine Fluchten: Südheide

Auf alten Postkutschenwegen schaukeln wir langsam durch den Naturpark Südheide. „Die Wege sind verbrieft, können deshalb nicht gesperrt werden“ – erklärt uns ein älterer Herr, der mit seinem Kübelwagen von 1944 die Ruhe in der Natur sucht.

 

Wir sind unterwegs in der Lüneburger Heide, genauer der Südheide im Norden von Deutschland. Man glaubt es kaum, aber hier kann man ganz legal auf Sandpisten im Wald unterwegs sein und abseits befestigter Straßen die Natur entdecken. Freitag Abend nach der Arbeit geht es los. „Brauchst du das ganze Zeug wirklich am Auto, für 2 Tage Kurzurlaub“ – fragt sich mein Vater wie immer über den Sinn und Unsinn von so manchem Zubehör was in den letzten 3 Jahren seinen Weg an den Defender gefunden hat. Ganz ehrlich: Natürlich nicht. Aber Ich will den Landy auch nicht erst jedes mal einen Tag lang packen müssen, wenn wir mal mehr oder weniger spontan übers Wochenende los wollen. Und so steht er immer abfahrbereit auf seinem Platz.

 

 

Wir nutzen die Abendstunden um gemütlich auf der Landstraße in Richtung Norden zu unserem Stellplatz für die Nacht zu gelangen. Autobahn? Muss nicht sein, erst recht nicht auf einem Freitag Abend in den Ferien. Direkt am Fluss unter zwei Bäumen, ploppen bald die ersten Bierchen und die Grillkohle beginnt langsam zu glühen.

Stellplatzempfehlung: Camping am Allerstrand, 8€ / Nacht

 

 

Die ersten paar Tage on the Road herrscht quasi immer Chaos im Fahrzeug, alles muss sich erst wieder einspielen und seinen Platz finden. Da kann man noch so viel am Innenausbau optimieren. Ist man also nur ein Wochenende unterwegs, verbringt man öfter mal Zeit damit etwas zu suchen, was man vor einer Minute noch in der Hand hielt.

 

Wir finden unseren Einstiegspunkt zur Tour in Hermannsburg und sind nach wenigen Kilometern bereits auf unbefestigten Wegen unterwegs. Fairerweise soll hier auch erwähnt werden, dass ich erst durch eine geführte Tour darauf aufmerksam geworden bin, welche unter suedheide-hintenrum.de gebucht werden kann. Durch Pinienwälder erkunden wir auf mal mehr und mal weniger holprigen Strecken die Heide, wenn man nicht weiß, dass man in Deutschland ist, könnte man an manchen Stellen auch glauben, man sei in Schweden unterwegs. Die Strecke ist nicht sonderlich schwierig und wäre wohl auch ohne Allrad zu befahren. Das liegt aber vor allem daran, dass es lange nicht geregnet hat und wir eine ordentliche Staubwolke hinter uns lassen. Nach starken Regenfällen wird das ganz anders aussehen, und einige, jetzt staubtrocke Kuhlen, versprechen dann ordentliche Schlammlöcher.

 

Zwischendurch einfach mal Anhalten und ein wenig zu Fuß die Südheide erkunden oder den Mittagssnack im Schatten unter Bäumen zu genießen, bei 30°C, einem Auto ohne Klimaanlage, dem wohlwärmenden Getriebe und wenig Fahrtwind durch die Lüftungsklappen eine sehr willkommene Abwechslung.

Wir sind gut 4 Stunden gefahren, haben nicht mal die Hälfte geschafft. Das macht aber auch nichts, denn wir sind an einer besonders schönen Stelle angelangt, welche von mehreren Seen umgeben ist. Kennt Ihr diesen Moment auf einer Tour, wenn Ihr „angekommen“ seit? Unserer war genau hier, uns im Wasser einer der Seen abkühlend und rüber zu einer Insel schwimmend.

 

 

Wir lernen einen älteren Herrn kennen, welcher mit seinem Kübelwagen unterwegs ist. „Da wo es schön ist, stelle ich mein Feldbett auf und übernachte.“ – sagt er. Und so machen wir es heute auch, nur dass wir im Landy und nicht auf dem Feldbett schlafen. Abends wird wieder gegrillt, Karten gespielt und die obligatorischen Kaltgetränke vernichtet. So einfach und so gut.


„Fahren & Faulenzen“ war wohl das Motto des gestrigen Tages. Nachdem uns auch an diesem Morgen kein Wecker aus dem Schlaf gerissen hat, geht wie immer alles ganz gemütlich zu. Frühstücken, sich selbst und das Geschirr waschen und den Defender wieder abfahrbereit machen. Vorbei an Kartoffelfeldern & Heideflächen geht es noch ein wenig weiter auf den Sandpisten, die sich durch den gesamten Naturpark ziehen. Wir besuchen noch das Museumsdorf in Hösseringen und gönnen uns ein wenig Kultur. 

Gegen Nachmittag treten wir den Heimweg an. Wir haben schon wieder nicht die gesamte Tour geschafft, vielleicht 80 von 120 Kilometern. Wie das an einem Tag in 8 Stunden laufen soll, bleibt uns ein Rätsel. Ich kann nur empfehlen die Strecke auf 2-3 Tage aufzuteilen, es sei denn Ihr wollt wirklich den ganzen Tag im Auto sitzen. 

 

Wir kommen aufjedenfall nochmal wieder um den Rest der Strecke zu fahren und nach ein paar Regenfällen vielleicht auch mal wirklich Gebrauch vom Allrad machen zu können.


Raus und was Erleben, macht man (wir auch) irgendwie noch viel zu selten. Und wenn das Erlebte nur bedeutet einfach mal im Campingstuhl die Füße hoch zu legen und auf einen See blicken. Ohne alle 5 Minuten der Sucht zu fröhnen aufs Handy zu gucken und Whatsapp, Instagram oder Facebook zu checken.


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Kommentare: 1
  • #1

    Uwe (Freitag, 30 August 2019 10:08)

    Danke für die Verlinkung und schön, dass dir unsere Route gefallen hat.