Ein Landy wird zum Camper?!

Defender Innenausbau 4.0

4 Jahre ist der Defender mittlerweile in meinem Besitz. 4 Innenausbauten habe ich bisher für den Defender gebaut. Wieso, weshalb, warum ich quasi jedes Jahr alles wieder heraus reiße, erfahrt Ihr hier.

Der erste Innenausbau für den Defender musste schnell gehen und entstand in ca. 2 Wochen. Da wusste ich natürlich noch nicht, was wir unterwegs so brauchen würden und was eher nicht. Es folgten 2 weitere Ausbauten in den 2 darauffolgenden Jahren. Der dritte Innenausbau kam dann schon langsam an das heran, was ich mir vorstellte und wie es sich Unterwegs als praktisch erwies. Mit dem Innenausbau 4.0, den ich Euch hier vorstelle, bin ich schon nah an dem, für uns, perfekten Kompromiss aus Stauraum, Liegefläche und Zugänglichkeit. Denn ein Kompromiss ist es im Defender immer.

Anforderungen

Wenn man ein paar mal mit dem Landy auf Tour war, merkt man schnell wo man welchen Ausrüstungsgegenstand braucht und unterbringen sollte. Das kann man wirklich nur rausfinden wenn man losfährt und nicht wenn man Zuhause am PC plant, deshalb: Losfahren!

Meine Anforderungsliste sieht also mittlerweile wie folgt aus:

  • möglichst viel Stauraum, der von Außen zugänglich ist. Ich will nicht immer ins Auto klettern.
  • Dinge, die man täglich braucht, müssen schnell erreichbar sein. Ewig kramen nervt!
  • Platz für Kompressorkühlbox.
  • Platz für (dreckige!) Schuhe.
  • möglichst große Liegefläche, da wir weiterhin im Defender schlafen werden.
  • Kein oder nur minimales Umbauen der Liegefläche, um Abends schlafen gehen zu können.
  • Platz zum kurzen Sitzen im Defender, um sich z.B. die Schuhe auszuziehen.

Material

Die ersten Innenausbauten waren noch aus 9 & 12mm Birke Multiplex. Ausbau 4.0 besteht jetzt zum Großteil aus 15mm Siebdruckplatten und 9mm Birke Multiplex. Das Holz hole ich mir wieder zugeschnitten im Baumarkt geholt, leider ist es teilweise echt ein Glücksspiel, wie fähig der Mitarbeiter im Zuschnitt ist, die benötigten Maße genau zuzuschneiden. Auch das Holz hat deutliche Qualitätsunterschiede, Toom liefert hier meiner Meinung nach die beste Ware.

Bodenplatte

Auch die Bodenplatte besteht aus 15mm Siebdruck oder auch Wagenbauplatte. Für den besseren Zugang zur Dieselpumpe wird ein Ausschnitt gemacht. (Ein Glück, den brauche ich kurze Zeit später wirklich)

Auch die Bodenplatte besteht aus 15mm Siebdruck oder auch Wagenbauplatte. Für den besseren Zugang zur Dieselpumpe wird ein Ausschnitt gemacht. (Ein Glück, den brauche ich kurze Zeit später wirklich)

Die Abschlussleiste lasse ich mir aus Edelstahl kanten, fräse die Materialstärke von der Bodenplatte ab, um einen bündigen Abschluss zu haben. Zur Verschraubung nutze ich Einschraubmuffenund Senkkopfschrauben.


Konstruktion

Der Ausbau besteht aus 2 nahezu identischen Truhen über die gesamte Länge der Radkästen. Mittig vor der Schottwand findet eine große Truhe platz. Fahrerseitig ein 120cm Schwerlastauszug, auf der Beifahrerseite die Kompressor Kühlschublade.

Ich habe dieses Mal keine einzige Spax -oder Holzschraube verwendet. Die Holzkörper sind nur verleimt. Allerdings nicht einfach auf Stoß, sondern an den Rändern mit Falzen und in der Mitte mit Nuten.

 

Natürlich ist diese Verbindung deutlich aufwendiger, aber auch stabiler und am Ende dann besser zu verleimen, weil alle Teile durch die Nuten und Falzen ihren festen Platz haben.

 

Befestigt werden die Truhen mit jeweils 4 Schrauben auf den Radkästen bzw. der Bodenplatte.



Perfekte Ausschnitte für die Klappen waren wohl das Schwierigste. Aber auch das ist machbar. Mit der Stichsäge wird der Ausschnitt grob vorgesägt. Dann wird mithilfe eines zuvor gebauten Rahmens in passendem Maß und dem Bündigfräser in der Oberfräse der Ausschnitt gefräst. Einen schönen Radius erhält man dann automatisch. Die Deckel bestehen aus 6mm Birke Multiplex und genau so tief wird dann nochmal mit dem Falzfräser entlang des Ausschnitts gefräst. So liegt der Deckel rundum auf.

Die Herausforderung beim Verleimen besteht darin, alle Bauteile der Truhe verspannt und verzwingt zu haben, bevor der Leim anzieht. Und das geht schnell, auch wenn es kein Express Leim ist. Lieber zu viele als zu wenig Schraubzwingen verwenden! Außerdem helfen Kreppband und Ratschenspanner*. Mit einem feuchten Lappen kann überschüssiger Leim einfach abgewischt werden.

 

Die Ober, - Unter, -und Seitenteile bestehen aus 15mm Siebdruck, die Front -und Rückseiten aus 9mm Birke Multiplex.


Die beiden Truhen auf den Radkästen und die Truhe in der Mitte vor der Schottwand bilden ein U. An den Fronten der Truhen sind jeweils Aluminiumwinkel bündig eingelassen und verschraubt, auf welchen eine Platte in L-Form aufliegt und verschraubt ist. Vorne wird diese Platte durch eine Stütze gehalten, welche über ein Z-Profil an den Haltewinkeln des Schwerlastauszugs befestigt ist.

 

Und ja: Ich hätte in die Platte auch noch eine Ausfräsung für den Winkel machen können, ist mir leider zu spät aufgefallen und es hätte alles nochmal gebaut werden müssen. Das war mir dann doch zu viel Aufwand.

 

Die Schrauben müssen außerdem noch durch passende, kürzere ersetzt werden.


Auszug

Der 120cm lange Auszug läuft auf Schwerlast-Teleskopschienen*, die ich aus aus dem vorherigen Innenausbau übernommen habe. Die Wanne habe ich mir aus 3mm Aluminium lasern, kanten und verschweißen lassen. Darauf finden 2 kleine (30x40) und 1 große (60x40) Euroboxen Platz, in denen unser Küchenzeug und Vorräte untergebracht sind.

 

Der Auszug ist mit passenden Haltewinkeln auf der Bodenplatte verschraubt. Hierfür habe ich auch wieder Einschraubmuffen verwendet.

 

Die Teleskopschienen sind mit Verriegelung, was auch sinnvoll ist, besonders wenn man mal abschüssig steht. Was mich aber immer gestört hat: Für die Entriegelung braucht man beide Hände, extrem nervig wenn man gerade etwas in der Hand hat, das verstaut werden soll.

Deshalb habe ich mir einen Griff gebaut, mit dem der ganze Auszug easy mit einer Hand entriegelt und herausgezogen werden kann.

 

Der Auszug ist wirklich extrem praktisch, weil man alles, was man zum Essen, Trinken, Kochen und Abspülen braucht, schnell drankommt, ohne ins Fahrzeug zu müssen.



Kühlbox

Eine ausreichend große Kompressor Kühlbox in den Innenausbau eines Defender Hardtop zu integrieren, ist nicht so einfach. Besonders nicht, wenn man die komplette Breite des Fahrzeugs als Liegefläche möchte.

Vorher hatten wir ja die Mobicool FR34, welche aber entsprechend Platz im Innenraum wegnahm. Die Kühlbox sollte also auf jeden Fall unter der Liegefläche verschwinden. Die einzige Möglichkeit, welche nicht zu Hoch aufbaut und auch noch neben den Auszug passt, war dann eine Kompressor Kühlschublade. Da gibt es nicht viel Auswahl, es ist also eine Engel SB30G-W mit ca. 30 Litern Nutzinhalt geworden.

Die Position der Kühlschublade ist super, man kommt schnell von Außen an alles in der Box befindliche heran.

Befestigt ist sie mit den 4 beiliegenden Haltewinkeln Oben unterhalb der Liegefläche. Zwischen Box und Holz ist noch etwas Moosgummi zur Entdröhnung, was aber nur bedingt funktioniert. Es ist schon relativ laut, wenn der Kompressor läuft. Das ist ein Punkt, der auf jeden Fall noch verbessert werden muss. Gut ist: Die Warmluft wird nach Vorne abtransportiert, was für weniger Stauwärme in der doch recht eingebauten Situation sorgt.

Schuhfach

Was uns an dem vorherigen Innenausbau unter anderem gestört hat war, dass wir keinen speziellen Platz für Schuhe hatten. Das hat sich jetzt geändert: Beifahrerseitig finden 2 Paar Schuhe und zusätzlich Flip Flops, Schlappen etc. Platz. So kann man die Schuhe auch bei geschlossener Hecktür in Ruhe ausziehen und verstauen.

Stauraum

Klamotten, Werkzeug, Ersatzteile, Vorräte - muss ja alles irgendwie mit. 

Das Werkzeugfach ist fahrerseitig gelegen und auch von Außen noch einigermaßen zugänglich. Wenn man es braucht, soll es dann ja doch meistens schnell gehen und das klappt auch. Mit Ausnahme vom 1/2 Zoll Knarren Satz findet hier alles Platz.

Auf beiden Seiten ist ein etwa 90x25x15cm großes Fach für Kleidung. Für die Ordnung nutzen wir Organizer* von Tasmanian Tiger.



In der Mitte dann eine große Kiste mit reichlich weiterem Stauraum. Zugegeben kommt man hier am "schlechtesten" dran, deshalb sind hier auch Dinge untergebracht, die man wenig bis gar nicht braucht.

Ersatzteile, Spezialwerkzeug, Reifenreparatur Set, Flüssigkeiten für's Fahrzeug, und weitere Lebensmittel finden hier Platz.

Hinten auf der Fahrerseite ist noch ein Oberschrank aus Aluminium, wo unter anderem unser Waschzeug seinen Platz findet. Natürlich auch von Außen zugänglich.

 

Darunter ist ein großes Staunetz, wo weitere Klamotten wie Pullis & Jacken, aber auch Decken Platz finden.


2 Expander halten hier das zusätzliche Brett & Polster fürs's Bett, sowie die Blidimax Black und eine Akku Heizdecke.

Zwischen den 2 Verstrebungen des Hard Top ist ein Molle Panel, wo weitere Taschen für Allerlei Kram, den man halt so dabei hat, Platz finden.

Die leuchtend gelben Mesh Taschen* sind übrigens super, um weitere Ordnung in's Fahrzeug zu bringen.


Liegefläche

Die Liegefläche geht über die komplette Breite des Defender. Das wollten wir so, weil wir immer zu zweit im Auto schlafen und da jeder Centimeter zählt. Die ersten Innenausbauten hatten noch Schränke an den Seiten, alles Quatsch. Die Erfahrung zeigt, dass Liegefläche nur durch eins zu ersetzen ist: Noch mehr Liegefläche.

Uns war aber wichtig, dass man sich auch mal kurz in Defender setzen kann, die Hecktür schließen, ohne dafür die Schuhe ausziehen zu müssen. Dafür ist die kleine Aussparung, die nur zum Schlafen mit einer zusätzlichen Platte und Polster versehen wird. Die Platte legen wir dann Abends rein, wenn wir schon komplett bettfertig sind und nicht mehr raus müssen.


Polster

Unsere Liegefläche besteht aus insgesamt 7 einzelnen Polstern. Ich habe hier Kaltschaum in entsprechender Härte für unser Gewicht gewählt. Der Bezug ist selbstgenäht mit Stoff von Ikea. Um die Bezüge waschen zu können, ist an den Längsseiten jeweils ein Klettverschluss.


Fazit

Mit Innenausbau 4.0 bin ich schon ziemlich nah an ein, für uns, perfektes Ergebnis gekommen. Es ist reichlich Stauraum vorhanden, die Liegefläche ist so groß wie sie im Defender eben sein kann und alles, was man oft braucht, ist schnell zugänglich. Auch die weiteren Anforderungen, über die ich zu Beginn geschrieben habe, sind erfüllt. Selbst, wenn der Ausbau quasi gerade erst fertig geworden ist, die Liste für Verbesserungen ist schon wieder lang, obwohl es nicht die Form und Aufbau des Innenausbaus an sich betrifft. So werde ich mich nochmal mit der Warmluftführung, der Innenraum Beleuchtung und der Belüftung befassen müssen, alles noch nicht zu 100% perfekt.


Noch mehr zum Lesen:

Braucht jeder Innenausbauer:*

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